Von der städtischen Anlaufstelle zum Kompetenzzentrum des Kantons St. Gallen
1965 entstand in der Stadt St. Gallen eine Anlaufstelle für Ausländer, damals vor allem Italiener und Spanier. Es erwies sich als notwendig, die bestehenden Aktionen zu koordinieren und weitere Freizeit- und Bildungsangebote zu organisieren.
In ersten Aktionen sind Sonderbeilagen in drei Sprachen zum wöchentlichen Inseratenblatt des „St. Galler Bär’s“ entstanden. Gleichzeit entwickelte die Stadt eine Wegleitung über die wichtigsten amtlichen Obliegenheiten und Hinweise über eine sinnvolle Freizeitgestaltung für Ausländer.
Zwischen 1965 und 1975 entstand eine Informationsstelle, die erste fremdsprachige Zeitung erschien zweimal jährlich, Kinderkrippen und Aufgabenhilfe wurden angeboten, Hilfsangebote für tschechische und slowakische Flüchtlinge wurden notwendig und ein erster Treffpunkt für Spanier konnte eingerichtet werden.
Im ersten Jahresbericht von 1970 wurde folgender Schluss gezogen:“ Wir dürfen feststellen, dass wir mit unserer Arbeit vielen Einwanderern helfen konnten. Leider vermochte unsere Tätigkeit aber nur wenig, die Einwanderer mit der einheimischen Bevölkerung in näheren Kontakt zu bringen.“
1975 kam es zur Gründung der Kantonalen Arbeitsgemeinschaft für Ausländerfragen. Das erste Anliegen dieser Stelle war die Herausgabe der Zeitung „Information“ auf kantonaler Ebene, was noch im selben Jahr umgesetzte werden konnte. Wichtigste Aufgabe zu jener Zeit war vor allem die Kontaktpflege mit den Italienern, Spaniern und Türken, wobei Mitarbeiterinnen der ARGE diese jeweils in ihren Stammlokalen aufsuchten.
1981 wurde eine erste Liste für Schuldolmetscher angefertigt und 1983 konnte mit dem Aufbau einer Dokumentationsstelle für Angebote der Stadt und des Kantons begonnen werden.
Immer mehr wurde klar, dass für die Eingewanderten und deren Angehörige das Beherrschen der deutsche Sprache die Grundlage für eine bessere Alltagsbewältigung sein muss. Und so organisierte die Arbeitsgemeinschaft für Ausländerfragen 1992 die ersten Deutschkurse in der Stadt und bald auch in weiteren Regionen des Kantons.
Mit der Vereinsgründung 1998 bekam die Arbeitsgemeinschaft für Ausländerfragen einen neuen Namen „Arbeitsgemeinschaft für Integrationsfragen in Kanton und Stadt St. Gallen“ und mit der Gründung verbunden neue Statuten.
1999 veranlasste die Regierung aufgrund des Tötungsdelikts an Paul Spirig, Lehrer im Schulhaus Engelwies der Stadt St. Gallen, die Bildung einer Arbeitsgruppe. Diese sollte Massnahmen prüfen, welche die Sicherheit und den Schutz der Bevölkerung sowie den Anspruch auf ein friedliches Zusammenleben unterstützen vermögen (siehe Bericht „interkulturelles Zusammenleben vom 20. Dezember 1999). Darin wird die Arbeitsgemeinschaft für Integrationsfragen als eine massgebliche nicht staatliche Stelle in Fragen der Integrantoin von Migrantinnen und Migranten im Kanton St. Gallen genannt.
Basierend auf verschiedenen Massnahmen hat die Koordinationsstelle für Integrationsfragen im Departement für Inneres und Militär zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für Integrationsfragen im Mai 2002 eine Leistungsvereinbarung über das Führen eines Kompetenzzentrums Integration für den Kanton St. Gallen ausgearbeitet.
Ein halbes Jahr davor hat das Bundesamt für Ausländerfragen BFA, basierend auf der Prioritätenordnung für Integrationsförderung der ARGE den Leistungsauftrag erteilt, die Integration von Ausländerinnen und Ausländern zu fördern.
2003 hat die Stadt St. Gallen Leistungsverträge für das Führen der Informationsstelle und die Koordination der interkulturellen Frauengruppe AMIGAS mit der ARGE abgeschlossen.
2006 wird die Erweiterung der Organisation über die Kantonsgrenze hinaus geplant. Dabei erhält die Organisation den neuen Namen „ARGE Integration Ostschweiz“.
Was mit viel Herzblut 1965 begann, hat sich in den letzten 40 Jahren zu einer Nonprofitorganisation entwickelt, die im Kanton St. Gallen als das Kompetenzzentrum für Integrationsfragen gilt. Die ARGE Integration Ostschweiz beschäftigt heute über 240 SchweizerInnen und MigrantInnen, die in Teilzeit- und Kleinstpensen strategische, organisatorische und operative Arbeiten Integrationsarbeit leisten. |